Archiv der Kategorie: Holstenkampverlängerung

Bürger hielten Planungswerkstatt für eine Alibiveranstaltung

Am 30.1.2016 fand die Planungswerkstatt zur geplanten Bebauung der Trabrennbahn Bahrenfeld statt. Die Wünsche der Anwohner, die in Workshops zu den „Themen Mobilität und Verkehr“, „Städtebau und Wohnen“ sowie „Freiraum und soziale Infrastruktur“ gesammelt wurden, sollen angeblich in den städtebaulichen Wettbewerb „Wohnen am Volkspark“ eingebracht werden.
Auf die Frage, welchen Einfluss die Anwohner auf die Planungen hätten, wurde von den Behörden erklärt, dass die Verlängerung des Holstenkamps zur Notkestraße, sowie mindestens 2000 Wohnungen bereits festgeschrieben seien. Dies stieß auf großen Protest, zumal eine rechtlich verbindliche Festlegung der neuen Hauptverkehrsachse erst im Bebauungsplan, der frühestens 2018 verabschiedet wird, erfolgt. Viele Anwohner hielten die Planungswerkstatt aufgrund dieser Vorgaben für eine Alibiveranstaltung.
In den Workshops konnten die Anwohner ihre Vorstellungen einbringen. Es wurde der Bau der U-Bahn Linie 5 über Bahrenfeld Nord, Tempo 30 auf allen neuen Straßen und Durchfahrt über den Deckel nur für Busse und Radfahrer gefordert. Andere Forderungen waren eine verkehrsberuhigte Zone vor dem Haupteingang des Volksparks an der August-Kirch-Straße, ein zukunftsweisendes Radverkehrskonzept mit Rad- und Fußwegen unabhängig von Straßen, sowie die Berücksichtigung der Stellungnahme von Prof. Monheim, der die Autodominanz des Behördengutachtens massiv kritisiert, im städtebaulichen Wettbewerb.
Die Bürger forderten, die Wohndichte an die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Schienennahverkehrs anzupassen. Außerdem wurde eine möglichst geringe Bodenversieglung sowie Dach- und Fassadenbegrünung als Ausgleich für die Kleingärten, die zerstört werden sollen, sowie ein Bauverbot im jetzigen Landschaftsschutzgebiet gefordert.
Im Städtebau wurde gewünscht, dass die geplanten Wohnhäuser von der Luruper Chausse zum Volkspark in der Höhe abnehmen, damit das Wohngebiet einen fließenden Übergang zum Volkspark aufweist. Auch im Bereich der 2-geschossigen Bebauung am Kielkamp und der August-Kirch-Straße wurde in Anpassung an die Umgebung eine niedrigere Bebauung gefordert. Viele Anwohner wünschten sich attraktive Quartiersplätze mit Gastronomie als Treffpunkt im Plangebiet. Der Einzelhandel sollte an der Luruper Chaussee gebündelt werden, damit kein zusätzlicher Verkehr in das Wohngebiet fließt. Es wurden auch Angebote für Studenten und Baugemeinschaften sowie Schulen und vielfältige sportliche und kulturelle Angebote gewünscht.
Das Protokoll der Veranstaltung finden sie hier.

Verkehrsexperte Prof. Monheim kritisiert Autodominanz im Verkehrsgutachten der Behörde

Das Gutachten der Behörde befasst sich fast nur mit Straßenbaulösungen, ÖPNV und Radverkehr werden nur am Rande betrachtet.
Der Stadt- und Verkehrsplaner Prof. Dr. Heiner Monheim, Mitbegründer des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), hat das Gutachten im Auftrag der BI-Volkspark geprüft. Er befürchtet, dass die geplante Hauptverkehrsstraße eine großräumige Umlagerung von Kfz-Verkehr in das neue Wohngebiet und einen erheblichen Neuverkehr erzeugen wird. Er kritisiert die viel zu stark autoorientierte Vorgehensweise der Verkehrsplaner. Außerdem bemängelt er, dass verschiedene Optionen des ÖPNV-Ausbaus nicht mit gleicher Gründlichkeit wie der Kfz-Verkehr untersucht wurden. Angesichts der verschiedenen Kritikpunkte muss dem abschließenden Bewertungsergebnis deutlich im Verkehrsgutachten der Behörde deutlich widersprochen werden.
Die gesamte Stellungnahme finden Sie hier.

Stellungnahme der BI Volkspark zur geplanten U5 nach Osdorf

https://web.archive.org/web/20161128160458im_/http://buergerinitiative-volkspark.de/wp-content/uploads/2015/09/u5-Bahrenfeld-300x201.jpg

Die Bürgerinitiative Volkspark begrüßt die Planungen zur U5 nach Lurup/Osdorf. Hierdurch werden die großen Straßen aus dem Westen ins Zentrum entlastet, da eine U-Bahn sowohl zeitlich als auch bezüglich des Fahrkomforts eine Alternative für Pkw-Fahrer darstellt, und somit auf die geplante Verkehrsachse Holstenkamp – Notkestraße in Bahrenfeld verzichtet werden kann.
Die Planungsvariante Süd über den neuen Fernbahnhof Altona-Diebsteich und Trabrennbahn sollte gegenüber der Planungsvariante Nord über Stellingen bevorzugt werden, damit der Fernbahnhof Altona-Diebsteich mit der U-Bahn in Ost-West Richtung angeschlossen wird. Außerdem ist das wichtigste Regionalzentrum der meisten Bewohner von Osdorf/Lurup Altona. Auch das geplante Wohngebiet Bahrenfeld Nord an der Trabrennbahn würde damit direkt durch die U-Bahn erschlossen. Der U-Bahnhof Stadionstraße ist in Nähe des DESYs, das mit ca. 2.000 Mitarbeitern ein sehr großer Arbeitgeber ist, geplant. Allein diese drei Bahnhöfe bei der Südvariante bringen eine wesentliche Entlastung des Straßenzuges Stresemannstraße-Luruper Chaussee. Da die U-Bahn unter der Luruper Chausse verläuft, müssen dort auch weniger Busse fahren.
Bei der Nordvariante fällt die Entlastung des Straßenzuges Stresemannstraße-Luruper Chaussee deutlich geringer aus, da nur der Pkw Verkehr aus Lurup/Osdorf, nicht jedoch der von DESY und Bahrenfeld Nord entlastet wird. Die BI Volkspark befürwortet daher die Planungsvariante Süd über den Fernbahnhof Altona-Diebsteich und die Trabrennbahn.
Beide Varianten würden die Straßen erheblich entlasten. Auf die geplante Verkehrsachse Holstenkamp – Notkestraße in Bahrenfeld kann also verzichtet werden.

Die aktuelle U-Bahnplanung der Behörde finden Sie hier.

Protest gegen Verlängerung des Holstenkamps an privaten Garagen wurde von Baufirma überstrichen

Vorher
Vorher

Anwohner der August-Kirch-Str. am Volkspark haben ihren Protest gegen die geplante Verlängerung des Holstenkamps zur Notkestraße auf der Rückseite Ihrer Garagen zur Trabrennbahn zum Ausdruck gebracht. Jetzt wurden diese Garagen von einer Baufirma für ein Projekt von Fördern und Wohnen ohne Rücksprache mit den Anwohnern übermalt. Dies stellt juristisch eine Sachbeschädigung dar. Die Anwohner wollen insbesondere wissen, wer den Auftrag für das Überstreichen gab und überlegen deswegen Anzeige zu erstatten. Die Anwohner meinen, jeder Graffiti Sprayer wird verfolgt und hier überstreicht einfach eine Baufirma fremdes Eigentum.

Nachher
Nachher

Verkehrsuntersuchung Bahrenfeld-Nord – Chance für zukunftsträchtiges Verkehrskonzept vertan

Neue Hauptverkehrsachse in Bahrenfeld am Volkspark verursacht massives Verkehrsaufkommen

Von der Verkehrsbehörde BWVI wurde ohne Ausschreibung ein Verkehrsgutachten beim Straßenplanungsbüro SBI beauftragt. Die Straßenplaner schlagen eine neue Hauptverkehrsachse mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke von 17.000 Kfz/Tag vor. Davon werden bis zu  75 % gebietsfremder Durchgangsverkehr sein. Die Trasse führt durch Landschaftsschutzgebiete am Luther- und Volkspark und ist mit einer Breite von 28 m geplant. Somit kann die Straße perspektivisch auch 4-spurig ausgebaut werden. Von einem Verkehrskonzept ohne Verlängerung des Holstenkamps raten die Planer ab. Das Gutachten befasst sich fast nur mit Straßenbaulösungen, ÖPNV und Radverkehr werden nur am Rande betrachtet.

Im Gutachten wird sogar behauptet „Veränderungen der ÖV-Anteile durch ein Schnellbahnangebot sind im Rahmenplangebiet nur in geringem Umfang zu erwarten“.

Nach Ansicht der BI Volkspark wurde das Verkehrsgutachten unter der klaren Prämisse beauftragt, die bereits in den 1970er Jahren geplante Hauptverkehrsachse nun endlich für die autogerechte Stadt zu realisieren – koste es, was es wolle! Exzessiver Verkehr wird generiert, die sozialen Aufgaben der Siedlungsstrukturen vergessen.

Es wird die Chance vertan, in Bahrenfeld-Nord einen Stadtteil zu entwickeln, der durch seine kreativen Ansätze im Bereich Mobilität für andere Stadtteile zum Vorbild wird.

Das Verkehrsgutachten (Download) enthält viele sehr fragwürdige Aussagen:

– Von der Netzvariante B ohne Verlängerung des Holstenkamps wird abgeraten, weitere Alternativrouten für diese Variante (z. B. nördlich des Volksparks) wurden quantitativ gar nicht betrachtet. S. 67 des Gutachtens

– die ökologischen Auswirkungen (Lärm, Abgase, Fauna…) auf den Volkspark und den neuen Park auf dem Autobahndeckel wurden überhaupt nicht berücksichtigt

– die Trasse ist 28 m breit geplant, damit die Straße später 4-streifig ausgebaut werden kann S.45

– der Holstenkamp soll an der Kreuzung Schnackenburgalle 7-streifig ausgebaut werden, damit möglichst viel Verkehr in die Verlängerung geleitet werden kann S.52

– für die Notkestraße wird auf S.34 eine Erhöhung von nur 2000 Kfz/Tag angenommen, auf S.103 jedoch wird eine Zahl von bereits 3000 Kfz/Tag genannt.

– Die Schwerlastverkehrsanteile wurden trotz Beauftragung nicht ermittelt

– Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des ÖPNV wurden trotz Beauftragung nicht ermittelt

-Im Gutachten wird sogar auf S.64 behauptet „Veränderungen der ÖV-Anteile durch ein Schnellbahnangebot sind im Rahmenplangebiet nur in geringem Umfang zu erwarten“.

Eine Stellungnahme vom Verkehrsexperten Prof. Monheim finden sie hier.

Eine ausführliche Stellungnahme von Hartmut Janssen finden sie hier.

Die BI Volkspark fordert

  • eine ergänzende Untersuchung, die prüft, wie durch eine Umlenkung der jeweils für die Straßenbauten angesetzten Mittel auf den ÖPNV und ein Veloroutennetz auf eine neue Hauptverkehrsachse verzichtet werden kann,
  • einen Ideenwettbewerb zur Umsetzung kreativer Ansätze im Bereich Mobilität in Bahrenfeld Nord,
  • konkrete Planungen für einen schienengebundene Nahverkehrsanbindung von Lurup über Bahrenfeld-Nord zur Innenstadt aufzunehmen.

Podiumsdiskussion mit Manfred Braasch vom BUND: Braucht Bahrenfeld eine neue Hauptverkehrsachse?

Anlass war die im Rahmenplanentwurf Bahrenfeld-Nord vorgesehene neue Hauptverkehrsachse Holstenkamp-Notkestraße durch Landschaftsschutzgebiete am Volkspark. Zu der Veranstaltung mit Manfred Braasch (BUND), Philip Cramer (VCD) und Christian Michalke (BI Volkspark) kamen über 100 Interessierte in den vollen Steenkamp-Saal. Die eingeladenen Behördenvertreter hatten ohne Begründung abgesagt.

Ziel des Abends sei es, die Lösung der Verkehrsprobleme im Hamburger Westen von Denkverboten (wie: „keine Stadtbahn“) zu befreien, sagte Jürgen Beeck, der die Diskussion leitete. Christian Michalke skizzierte zunächst die Hauptlinien des Rahmenplans und berichtete von verschiedenen Aktivitäten der Bürgerinitiative im abgelaufenen Jahr.

Manfred Braasch betonte, dass die von der EU festgelegten Stickoxid(NO)-Grenzwerte (40 μg) in Hamburg seit Jahren erheblich übertroffen werden. Eine frühere Messstation in Bahrenfeld zeigte bereits 1998 bis 41 μg NO. Hauptverkehrsstraßen durch Wohngebiete seien nicht mehr verantwortbar wegen der sehr hohen Belastungen für die Bevölkerung.

Philip Cramer belegte mit Zahlen, dass der Autoverkehr in Hamburg von 2002 bis 2008 deutlich abgenommen hat, während der Radverkehr stark zugenommen hat. Die Bedeutung des Autos hat insbesondere bei den 18 bis 34-Jährigen bundesweit stark abgenommen. Dieser Trend sei in Großstädten besonders deutlich. Diese Altersgruppe ist für zukünftige Verkehrsplanungen besonders wichtig.

Cramer wies darauf hin, dass die Attraktivität von Buslinien von ihrer Reisegeschwindigkeit abhänge. Schnelle Expressbuslinien, die mit wenigen Haltestellen entlang von Bundesstraßen geführt werden, sucht man in Hamburg vergebens, weil diese Verkehrsadern für die Pkw und Lkw freigehalten werden. Verkehrsplanung in Hamburg werden immer noch aus der Autoscheiben-Perspektive geschrieben. Andere Deutsche Städte seine da schon viel weiter.

Udo Schuldt (Verkehrs-AG Lurup) informierte darüber, dass am Eckhoffplatz rund 1000 Wohnungen entstehen, eine Autoarmes Wohnen von der Stadt aber abgelehnt wurde. Begründung: Der Öffentliche Nahverkehr sei in Lurup nicht ausreichend!

Herbert van Gerpen (Verkehrs-AG Schenefeld) vermutet, dass mit dem bereits teilweise realisierten Westring in Pinneberg mit der Anbindung an die A 23 für den überregionalen Verkehr 20 %Verkehrszunahme über die Luruper Hauptstraße Richtung Bahrenfeld entsteht. Beide sprachen sich gegen den Ausbau des übergeordneten Straßennetzes aus und forderten eine Stadtbahn.

Auf die Frage einer Teilnehmerin, warum denn die Bürgerinitiative nicht über konkrete Alternativen spreche, sagte der BUND-Vertreter, dass eine Forderung nur erfolgreich sein könne, wenn sie nicht partielle (Umleitung des Verkehrs), sondern allgemeine Interessen (z.B. Verkehr anders zu organisieren) vertrete. Das erfordere aber Zeit. Deshalb sei es richtig, dass die BI Volkspark sich so früh in den Planungsprozess einbringe und Alternativen zum Verkehrskonzept fordere. Braasch forderte die Anwesenden auf, die Bürgerinitiative in diesem Bemühen zu unterstützen.