Podiumsdiskussion mit Manfred Braasch vom BUND: Braucht Bahrenfeld eine neue Hauptverkehrsachse?

Anlass war die im Rahmenplanentwurf Bahrenfeld-Nord vorgesehene neue Hauptverkehrsachse Holstenkamp-Notkestraße durch Landschaftsschutzgebiete am Volkspark. Zu der Veranstaltung mit Manfred Braasch (BUND), Philip Cramer (VCD) und Christian Michalke (BI Volkspark) kamen über 100 Interessierte in den vollen Steenkamp-Saal. Die eingeladenen Behördenvertreter hatten ohne Begründung abgesagt.

Ziel des Abends sei es, die Lösung der Verkehrsprobleme im Hamburger Westen von Denkverboten (wie: „keine Stadtbahn“) zu befreien, sagte Jürgen Beeck, der die Diskussion leitete. Christian Michalke skizzierte zunächst die Hauptlinien des Rahmenplans und berichtete von verschiedenen Aktivitäten der Bürgerinitiative im abgelaufenen Jahr.

Manfred Braasch betonte, dass die von der EU festgelegten Stickoxid(NO)-Grenzwerte (40 μg) in Hamburg seit Jahren erheblich übertroffen werden. Eine frühere Messstation in Bahrenfeld zeigte bereits 1998 bis 41 μg NO. Hauptverkehrsstraßen durch Wohngebiete seien nicht mehr verantwortbar wegen der sehr hohen Belastungen für die Bevölkerung.

Philip Cramer belegte mit Zahlen, dass der Autoverkehr in Hamburg von 2002 bis 2008 deutlich abgenommen hat, während der Radverkehr stark zugenommen hat. Die Bedeutung des Autos hat insbesondere bei den 18 bis 34-Jährigen bundesweit stark abgenommen. Dieser Trend sei in Großstädten besonders deutlich. Diese Altersgruppe ist für zukünftige Verkehrsplanungen besonders wichtig.

Cramer wies darauf hin, dass die Attraktivität von Buslinien von ihrer Reisegeschwindigkeit abhänge. Schnelle Expressbuslinien, die mit wenigen Haltestellen entlang von Bundesstraßen geführt werden, sucht man in Hamburg vergebens, weil diese Verkehrsadern für die Pkw und Lkw freigehalten werden. Verkehrsplanung in Hamburg werden immer noch aus der Autoscheiben-Perspektive geschrieben. Andere Deutsche Städte seine da schon viel weiter.

Udo Schuldt (Verkehrs-AG Lurup) informierte darüber, dass am Eckhoffplatz rund 1000 Wohnungen entstehen, eine Autoarmes Wohnen von der Stadt aber abgelehnt wurde. Begründung: Der Öffentliche Nahverkehr sei in Lurup nicht ausreichend!

Herbert van Gerpen (Verkehrs-AG Schenefeld) vermutet, dass mit dem bereits teilweise realisierten Westring in Pinneberg mit der Anbindung an die A 23 für den überregionalen Verkehr 20 %Verkehrszunahme über die Luruper Hauptstraße Richtung Bahrenfeld entsteht. Beide sprachen sich gegen den Ausbau des übergeordneten Straßennetzes aus und forderten eine Stadtbahn.

Auf die Frage einer Teilnehmerin, warum denn die Bürgerinitiative nicht über konkrete Alternativen spreche, sagte der BUND-Vertreter, dass eine Forderung nur erfolgreich sein könne, wenn sie nicht partielle (Umleitung des Verkehrs), sondern allgemeine Interessen (z.B. Verkehr anders zu organisieren) vertrete. Das erfordere aber Zeit. Deshalb sei es richtig, dass die BI Volkspark sich so früh in den Planungsprozess einbringe und Alternativen zum Verkehrskonzept fordere. Braasch forderte die Anwesenden auf, die Bürgerinitiative in diesem Bemühen zu unterstützen.