Fehler im Luftschadstoffgutachten zum A7 Deckel

Das Luftschadstoffgutachten zur A7 enthält falsche Verkehrszahlen für den Holstenkamp und weitere Fehler.

Im Luftschadstoffgutachten zum Altonaer Deckel A7 wurden für die umgebenden Straßen in Bahrenfeld und die geplante Holstenkampverlängerung zu niedrige Verkehrszahlen und Schwerverkehrsanteile angesetzt. Für alle wichtigen Straßen, wie den Holstenkamp und die Luruper Chaussee wurden deutlich niedrigere Verkehrsmengen als in der Verkehrsuntersuchung Bahrenfeld Nord (2014) der Stadt angesetzt. Für die Ebertalle und die Holstenkampverlängerung wurde ein Schwerverkehrsanteil von 0 % berücksichtigt. Dies bedeutet, dass es dort gar keinen Lkw Verkehr gibt. Die Ebertalle hat zur Zeit einen Schwerverkehrsanteil von 8%. Dieser ist auch für die Holstenkampverlängerung anzusetzen. Außerdem wurde die geplante mehrgeschossige Bebauung an der Holstenkampverlängerung nicht berücksichtigt. Weiterhin wurde eine Minderung der Hintergrundbelastung durch NO2 von 20% bis 2025 angenommen. Dies ist eine sehr optimistische Annahme für einen Zeitraum von 8 Jahren. Bei einer konservativen Betrachtung zur sicheren Seite müsste von der heutigen Hintergrundbelastung von 25 μg /m³ NO2 ausgegangen werden.
Die prognostizierten Schadstoffimmissionen sind aus den genannten Gründen viel zu niedrig. Man fragt sich, ob hier die geplante Holstenkampverlängerung sauber gerechnet werden soll. Die BI Volkspark und viele Anwohner werden deswegen Einwendungen im Planfeststellungsverfahren zum A7 Deckel Altona einreichen.
Alle Informationen zum aktuellen Planfeststellungsverfahren stehen hier.

Hier die ausführliche Begründung:

Das Luftschadstoffgutachten weist gravierende Mängel auf und muss deswegen überarbeitet werden. Die prognostizierten Schadstoffimmissionen sind zu niedrig.

1.Verkehrszahlen und Schwerverkehrsanteile sind falsch

Ein Vergleich der Verkehrszahlen der aktuellsten Verkehrsmengenkarte der Stadt Hamburg von 2015 mit den in Abbilddung 4.2 der Luftschadstoffuntersuchung angesetzten Zahlen (siehe Anhang) zeigt, dass diese viel zu niedrig sind. Insbesondere der Schwerverkehrsanteil (SV-Anteil), der für Fahrzeuge >3,5 t gilt, wird systematisch unterschätzt. Hier einige Beispiele:

Zählstelle Ebene Straße Verkehrs-
mengenkarte
DTVW 2015
SV-
Anteil %
2015
Luftschad-
stoffgutachten

DTVw 2025
SV-Anteil % Luftschadstoff-gutachten 2025
2898 168 Holstenkamp W Kreuzung Große Bahnstraße 33000 6 38600 2
1054 10 Luruper Hauptstraße O Engelbrechtweg (Landesgrenze) 25000 7 26000 4
2616 305 Ebertallee S Kreuzung Luruper Chaussee 9000 8 8100 0

DTVw=durchschnittliche tägliche Verkehrsmenge werktags
Die rot markierten Verkehrszahlen und Schwerverkehrsanteile sind viel zu niedrig!!! In der Ebertallee soll trotz Busverkehr der Schwerlastanteil 0 % betragen. Dies ist unsinnig!!

In der Verkehrsuntersuchung VU Bahrenfeld Nord vom Juni 2014 werden für den Planfall 3A mit verlängertem Holstenkamp in Anlage 4.4 folgende Verkehrszahlen genannt (siehe Anhang):

Straße VU Bahrenfeld Nord
DTVW 2025
Luftschad
stoffgutachten

DTVw 2025
SV-
Anteil % 2025 gemäß Luftschad-
stoffgutachten
Holstenkamp W Kreuzung Große Bahnstraße 45800 38600 2
Holstenkampverlängerung Ostseite 17200 14200 1
Holstenkampverlängerung Westseite 13500 12700 0
Luruper Chaussee Kreuzung Ebertallee 34600 26000 4
Ebertallee Kreuzung
Luruper Chaussee
9600 8100 0

Auch hier zeigt sich, dass die angesetzten Verkehrsmengen viel zu niedrig sind und der Verkehrsuntersuchung der Stadt widersprechen!!! Für die Holstenkampverlängerung Westseite wurde ein Schwerverkehrsanteil von 0 % berücksichtigt. Dies ist unsinnig!! Die umgebenden Straßen haben einen Schwerverkehrsanteil von 6 – 8%. Dieser ist auch für die Holstenkampverlängerung anzusetzen.
Grundlage der VU Bahrenfeld Nord waren nach Tabelle 2-1  1800 geplante Wohnungen östlich des Deckels. Jetzt sind dort 3000 Wohnungen geplant. Durch den Mehrverkehr der zusätzlichen Wohnungen steigt der Verkehr auf der Verlängerung des Holstenkamps zur Notkestraße nach Angaben des Straßenplanungsbüros SBI um weitere 1600 Fahrzeuge/Tag auf 18800 Kfz/24h an!

2.Hintergrundbelastung für NO2 und NOx ist zu niedrig angesetzt

In Tabelle 4.3 wurde ein Reduktionsfaktor von 0,8 (=20%) bis 2025 angenommen. Dies ist eine sehr optimistische Annahme für einen Zeitraum von 8 Jahren. Bei einer konservativen Betrachtung zur sicheren Seite müsste von der heutigen Hintergrundbelastung von 25 μg /m³ NO2 ausgegangen werden.

3.Stauanteile

In Abb. 5.1 sind nur auf wenigen Strecken Stauanteile von 20 % berücksichtigt. Für die Von-Sauer-Straße ist dieser Anteil viel zu niedrig. Für die Holstenkampverlängerung wurden kaum Stauanteile berücksichtigt. Dies ist für eine Straße mit über 17000 Kfz/24 h nicht nachvollziehbar! Es ist nicht ersichtlich aus welchen nachvollziehbaren Quellen die Stauanteile ermittelt wurden.

4.Straßenrandbebauung

Aus Abb. 4.3 des Luftschadstoffgutachten ist zu ersehen, dass am verlängerten Holstenkamp keine Randbebauung berücksichtigt wurde. Bei einer Verlängerung des Holstenkamps ist dort eine mehrgeschossige geschlossene Randbebauung vorgesehen. d.h: die berechneten Luftschadstoffimmissionen sind viel zu niedrig !!!

Auf Seite 40 wird behauptet,  dass durch die Holstenkampverlängerung und die A7 nur ein Anstieg von 1 μg/m³ für  NO2 gegenüber der Hintergrundbelastung erfolgt:

„Am Pflegezentrum Holstenkamp (IO 3) ist die abschirmende Wirkung des Tunnels ersichtlich. Hier werden 21 μg/m³ NO2 berechnet. Damit liegt man in diesem Bereich nur 1 μg/m³ über der großräumigen Hintergrundbelastung.“
Dies ist bei über 17000 Kfz/24 h und einem Abstand von ca. 10 m zur Straße  nicht nachvollziehbar.

5. Schadstoffaustrag aus den Tunnelöffnungen an den Ausfahrten Bahrenfeld und Othmarschen

Der Schadstoffaustrag aus den Tunnelöffnungen an den Ausfahrten Bahrenfeld und Othmarschen wurde nicht berücksichtigt. Es wurden nur die Öffnungen am Anfang und am Ende des Tunnels, nicht aber an den Ausfahrten der Autobahn berücksichtigt!