Architekten kritisieren Ausbau der Luruper Chaussee

Christoph Mäckler Architekten (2.Wettbewerbspreis) kritisieren 9-streifigen Ausbau der Luruper Chaussee an der Trabrennbahn

Ziel einer zeitgemäßen Verkehrsplanung muss eine Anpassung an städtebauliche Belange sein. Die für den Wettbewerb als Grundlage vorgelegten Pläne (insbesondere die zur 2. Phase des städtebaulichen Wettbewerbs in Hamburg Altona als Basis vorgelegte Verkehrsplanung des Areals um den Ebertplatz) konnten – da der Städtebau selbst Objekt des Wettbewerbs ist — diese Anpassung fraglos nicht leisten. Aus diesem Grund werden im Folgenden Vorschläge für eine städtebauliche Anpassung der vorgeschlagenen Verkehrslösung gemacht:
Die Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06) empfiehlt für einen — in diesem Falle sicher unvermeidlichen — individuellen Straßenraumentwurf eine Planung „vom Rand aus“ („Städtebauliche Bemessung“). Zitat: „Städtebaulich bemessene“ Querschnitte berücksichtigen vorrangig die Nutzungen der Straßenränder, der Bewohner und Besucher von Straßen, des Längsverkehrs von Fußgängern und Radfahrern (sofern sie im Seitenraum geführt werden) sowie das Wohlbefinden der Benutzer des Straßenraums durch angenehme Proportionen zwischen befahrenen und unbefahrenen Flächen sowie innerhalb dieser Flächen“.
Die städtebauliche Bemessung muss in diesem Falle das neu entstehende Gebiet mit einer erhöhten Frequenz von Fuß- und Radverkehr und dem Bedarf an Anwesenheit in dem Areal um den Ebertplatz berücksichtigen. Dabei sind durchgehende Gehwegverbindungen auf den Platz und über die Straße unerlässlich. Zu lange Überquerungswege gefährden den Kontakt mit der anderen Straßenseite und den dortigen Einrichtungen extrem.
Daher können die bereits heute sehr langen Querungswege über die Luruper Chaussee nicht verlängert werden. Es wird daher vorgeschlagen, die heutige, funktionsfähige Organisation der Bushaltestellen nur gering zu ändern und Beschleunigungsmaßnahmen vorrangig durch eine verbesserte Signalisierung vorzunehmen. Dies erlaubt auch eine Organisation des motorisierten Verkehrs — auch unter Einbeziehung des neuen Plangebietes -, die den Verkehrsraum nicht unzuträglich vergrößert.
Die Forderung der RASt 06 nach „angenehmen Proportionen“ kann damit eingehalten werden. Die gute Zugänglichkeit der Bushaltestellen erhöht die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs und verringert die Gesamtreisezeit für die Nutzer Die Raumgewinne im Kreuzungsbereich erlauben die Ausstattung der Haltestellen mit Anlagen zum Abstellen von Fahrrädern und Stationen für „bike-sharing“.
Generell lassen sich durch kleinteilige Maßnahmen gegenüber dem heutigen Zustand die Bedingungen für Fußgänger und Fahrradverkehr deutlich verbessern. Grundsätzlich werden Fuß und Fahrradwege an die Straßenecken vorgezogen, aus dem neu geplanten Gebiet heraus ergibt sich eine attraktive durchgehende Fußgängerachse in die Ebert-Allee.
Längs sämtlicher Straßen sind breite Radwege, möglichst in Form von Radfahrstreifen, mit der Breite von 2,00 Metern (ERA 2 ) vorgesehen. An den Haltestellen des ÖPNV werden Abstellanlagen und an zentralen Punkten werden Flächen für Bikesharing-Angebote eingeplant.
Insgesamt ist zu berücksichtigen, dass durch die bauliche Mischung und die gute Erreichbarkeit von Haltestellen des ÖPNV das Aufkommen des motorisierten Verkehrs aus dem neu geplanten Stadtquartier deutlich unter den üblichen Werten liegen sollte.