Verkehrsuntersuchung Bahrenfeld-Nord -Chance für zukunftsträchtiges Verkehrskonzept vertan

Neue Hauptverkehrsachse in Bahrenfeld am Volkspark verursacht massives Verkehrsaufkommen

Von der Verkehrsbehörde BWVI wurde ohne Ausschreibung ein Verkehrsgutachten beim Straßenplanungsbüro SBI beauftragt. Die Straßenplaner schlagen eine neue Hauptverkehrsachse mit einer durchschnittlichen täglichen Verkehrsstärke von 17.000 Kfz/Tag vor. Davon werden bis zu  75 % gebietsfremder Durchgangsverkehr sein. Die Trasse führt durch Landschaftsschutzgebiete am Luther- und Volkspark und ist mit einer Breite von 28 m geplant. Somit kann die Straße perspektivisch auch 4-spurig ausgebaut werden. Von einem Verkehrskonzept ohne Verlängerung des Holstenkamps raten die Planer ab. Das Gutachten befasst sich fast nur mit Straßenbaulösungen, ÖPNV und Radverkehr werden nur am Rande betrachtet.

Im Gutachten wird sogar behauptet „Veränderungen der ÖV-Anteile durch ein Schnellbahnangebot sind im Rahmenplangebiet nur in geringem Umfang zu erwarten“.

Nach Ansicht der BI Volkspark wurde das Verkehrsgutachten unter der klaren Prämisse beauftragt, die bereits in den 1970er Jahren geplante Hauptverkehrsachse nun endlich für die autogerechte Stadt zu realisieren – koste es, was es wolle! Exzessiver Verkehr wird generiert, die sozialen Aufgaben der Siedlungsstrukturen vergessen.

Es wird die Chance vertan, in Bahrenfeld-Nord einen Stadtteil zu entwickeln, der durch seine kreativen Ansätze im Bereich Mobilität für andere Stadtteile zum Vorbild wird.

Das Verkehrsgutachten (Download) enthält viele sehr fragwürdige Aussagen:

– Von der Netzvariante B ohne Verlängerung des Holstenkamps wird abgeraten, weitere Alternativrouten für diese Variante (z. B. nördlich des Volksparks) wurden quantitativ gar nicht betrachtet. S. 67 des Gutachtens

– die ökologischen Auswirkungen (Lärm, Abgase, Fauna…) auf den Volkspark und den neuen Park auf dem Autobahndeckel wurden überhaupt nicht berücksichtigt

– die Trasse ist 28 m breit geplant, damit die Straße später 4-streifig ausgebaut werden kann S.45

– der Holstenkamp soll an der Kreuzung Schnackenburgalle 7-streifig ausgebaut werden, damit möglichst viel Verkehr in die Verlängerung geleitet werden kann S.52

– für die Notkestraße wird auf S.34 eine Erhöhung von nur 2000 Kfz/Tag angenommen, auf S.103 jedoch wird eine Zahl von bereits 3000 Kfz/Tag genannt.

– Die Schwerlastverkehrsanteile wurden trotz Beauftragung nicht ermittelt

– Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität des ÖPNV wurden trotz Beauftragung nicht ermittelt

-Im Gutachten wird sogar auf S.64 behauptet „Veränderungen der ÖV-Anteile durch ein Schnellbahnangebot sind im Rahmenplangebiet nur in geringem Umfang zu erwarten“.

Eine Stellungnahme vom Verkehrsexperten Prof. Monheim finden sie hier.

Eine ausführliche Stellungnahme von Hartmut Janssen finden sie hier.

Die BI Volkspark fordert

  • eine ergänzende Untersuchung, die prüft, wie durch eine Umlenkung der jeweils für die Straßenbauten angesetzten Mittel auf den ÖPNV und ein Veloroutennetz auf eine neue Hauptverkehrsachse verzichtet werden kann,
  • einen Ideenwettbewerb zur Umsetzung kreativer Ansätze im Bereich Mobilität in Bahrenfeld Nord,
  • konkrete Planungen für einen schienengebundene Nahverkehrsanbindung von Lurup über Bahrenfeld-Nord zur Innenstadt aufzunehmen.

Protest gegen Verlängerung des Holstenkamps an privaten Garagen wurde von Baufirma überstrichen

Vorher
Vorher

Anwohner der August-Kirch-Str. am Volkspark haben ihren Protest gegen die geplante Verlängerung des Holstenkamps zur Notkestraße auf der Rückseite Ihrer Garagen zur Trabrennbahn zum Ausdruck gebracht. Jetzt wurden diese Garagen von einer Baufirma für ein Projekt von Fördern und Wohnen ohne Rücksprache mit den Anwohnern übermalt. Dies stellt juristisch eine Sachbeschädigung dar. Die Anwohner wollen insbesondere wissen, wer den Auftrag für das Überstreichen gab und überlegen deswegen Anzeige zu erstatten. Die Anwohner meinen, jeder Graffiti Sprayer wird verfolgt und hier überstreicht einfach eine Baufirma fremdes Eigentum.

Nachher
Nachher

 

 

Wahlprüfsteine zur Bezirkswahl 2014

Nur SPD für die Durchgangsstraße

Anlässlich der Wahl zur Bezirksversammlung hat die BI Volkspark den Parteien in Altona 6 Fragen zu diesen Themen gestellt.
Grüne, Linke und Piraten stimmen in allen Punkten mit den Forderungen der BI überein. Die CDU stimmt auch in fast allen Punkten mit den Forderungen der BI überein. Nur in Bezug auf autoarmes Wohnen antwortet die CDU mit neutral. Die geringste Übereinstimmung zeigt die SPD, die die Straße ohne Einschränkungen befürwortet. Die FDP antwortete nicht.

CDU, Grüne, Linke und Piraten bevorzugen eine Stadtbahnanbindung anstelle einer neuen Durchfahrt vom Holstenkamp zur Notkestraße. Die SPD hält die durchgängige Straße „für eine stadt- und verkehrsplanerisch sinnvolle Option“, und ist dagegen nur Fahrräder und Busse durchfahren zu lassen. Sie will aber prüfen, ob die von ihr favorisierte U-Bahn nach Lurup und Osdorf über Bahrenfeld führen könne.
Es ist trotz der hohen Zustimmungsrate zu den Zielen der BI Volkspark weiteres Engage-ment notwendig. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die Parteien ihre Verspre-chungen automatisch umsetzen, da die Entscheidung beim Senat liegt.

Hintergründe zum autogerechten Verkehrskonzept

Auf der Sitzung des Planungsausschusses des Bezirkes Altona zum Rahmenplan Bahrenfeld-Nord am 07.09.2011 wurde ein Erschließungskonzept vorgestellt, welches auf Straßenplanungen der 1970er Jahre zurückgreift. Eine Untersuchung dazu finden Sie hier.

Am 18.04.2012 wurden diese Entwürfe im Rahmen einer Infoveranstaltung der BSU (Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt) vor ca. 250 Besuchern erstmalig der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Gegenüber den Plänen vom 07.09.2011 wurden kaum Änderungen vorgenommen.

 In einer Untersuchung hat das Büro SBI die Verkehrsströme mit und ohne neue Durchgangsstraße für unterschiedliche Entwicklungsstufen von Lurup bis Eimsbüttel berechnet. Danach steigt die Zahl der Fahrzeuge auf der neuen Durchgangsstraße nach der vollständigen Fertigstellung aller derzeit geplanten Bauprojekte von einigen wenigen auf bis zu 17.000 täglich. Der durch Verlagerung aus vorhandenen Straßen entstehende quartiersfremde Verkehr wurde mit knapp 10.000 KFZ/Tag beziffert.

Die  Präsentation des von BSU  und BWVI in Auftrag gegebenen Gutachtens wurde in einer regen Diskussion auf der Anhörung am 20.01.2014 stark hinterfragt. Die erneut favorisierte Festlegung auf eine neue Hauptverkehrsachse in Bahrenfeld Nord stieß sichtlich auf eine breite inhaltliche Ablehnung.

Kritisiert wurden insbesondere von der Bürgerinitiative Volkspark, aber auch von Altonaer Vertretern der CDU, Grünen und Linken, dass das Gutachten in seinen grundlegenden Vorgaben völlig falsch ausgerichtet sei. Statt eine nachhaltige Lösung der bereits bestehenden  Verkehrsprobleme über effektive Konzepte zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs zu suchen, wurden lediglich Maßnahmen zur Verlagerung der Verkehrsströme untersucht.  Es wurde insbesondere bemängelt, dass sich die Untersuchung nur mit dem motorisierten Verkehr befasste. Verkehrsvermeidung durch besseren ÖPNV und attraktive Radverkehrsverbindungen wurden bisher nicht untersucht. Kritisiert wurde weiterhin, dass die Untersuchung ohne Ausschreibung an das straßenverkehrsorientierte Büro SBI, das in einer Voruntersuchung die Durchgangsstraße vorgeschlagen hatte, vergeben wurde. Unter diesen Voraussetzungen war das Ergebnis vorhersehbar.

Von den Gutachtern wurde eingeräumt, dass der Vermeidung von Mehrverkehren an der Bahrenfelder Chaussee im vorgeschlagenen Verkehrskonzept eine verkehrliche Mehrbelastung der Straßenzüge Fruchtallee/Holstenkamp und Luruper Chaussee gegenübersteht. Eine Entspannung des Verkehrs an der Stresemannstraße wäre durch die Realisierung der präferierten Durchgangsstraße nur in der Größenordnung der jahreszeitlichen Schwankungen zu erwarten.epte zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs zu suchen, wurden lediglich

neue Trasse August-Kirch-Str
Diese Bäume der historischen Lindenallee am Eingang des Volksparks
sollen für die Trasse gefällt werden.

Maßnahmen zur Verlagerung der Verkehrsströme untersucht. Für besondere Verwunderung und erregte Kritik sorgte eine Äußerung des Vertreters der Verkehrsbehörde BWVI. Seiner Auffassung nach sei die von vielen Anwesenden geforderte U-Bahn Linie Bahrenfeld, Lurup, Osdorf, Schenefeld ineffektiv, da sie zu keiner Verringerung des Kfz-Verkehrs führen würde. Die  – von Bürgermeister Scholz ins Gespräch gebrachte –  U-Bahn ‚würde lediglich zur Verlagerung der Fahrgäste von Bussen und S-Bahn auf die neue U-Bahnverbindung führen’. Dies wurde von den Anwesenden stark bezweifelt.Es wurde insbesondere bemängelt, dass sich die Untersuchung nur mit dem motorisierten Verkehr befasste. Verkehrsvermeidung durch besseren ÖPNV und attraktive Radverkehrsverbindungen wurden bisher nicht untersucht. Kritisiert wurde weiterhin, dass die Untersuchung ohne Ausschreibung an das straßenverkehrsorientierte Büro SBI, das in einer Voruntersuchung die Durchgangsstraße vorgeschlagen hatte, vergeben wurde. Unter diesen Voraussetzungen war das Ergebnis vorhersehbar.

Am Ende der Veranstaltung wurden die Vertreter der in der Bezirksversammlung Altona vertretenen Parteien nach Ihrem Standpunkt befragt. Der SPD Vertreter verwies auf die laufende Untersuchung und äußerte keine eindeutige Meinung. Die Vertreter der CDU, der Grünen und der Linken äußerten sich entschieden gegen die neue Durchgangsstraße. Nur der FDP Vertreter befürwortete die neue Durchgangsstraße.

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